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Fliegehund

Nein – Luna hat nichts angestellt 😀 . Obwohl die Kleine in letzter Zeit meint, dass unvermitteltes Pfienzen und Bellen mitten in der Nacht, die ultimativen Mittel sind um imaginäre oder nicht hörbare Werhörnchen und streunende (nicht hörbare) Katzen zu vertreiben, schießen wir sie nicht auf den Mond. Nein, das Lunchen ist mit mir das erste Mal geflogen. Und von diesem kleinen Abenteuer, der Odyssee die Hundebox zu kaufen, ratlosen Airline-Mitarbeitern möchte ich euch hier gerne mal erzählen.

Luna brauch ich. Jetzt. Am besten gestern.
Wozu? Nun ich war auf einem Lehrgang, da ging es darum, wie man Unterrichte vorbereitet, durchführt und nachbereitet. Welche Methodik, welchen didaktischen Ansatz verwende ich. Und am Ende, ein Unterricht mit einem frei zu wählendem Thema. Schon zu Lehrgangsbeginn, schwebt mir dieser Gedanke durch den Kopf. Ich wiegel ihn aber schnell wieder ab, Luna hier hoch nach Hamburg zu bringen, wäre zu viel Aufwand, fliege ich doch jedes zweite Wochenende Heim. Und vor allem: Was würde Lisa sagen?
Was sie gesagt hat? Hier ein Auszug:

Ich: „…ich brauche deinen Segen!“
Lisa: “ Willst du mich anfacen? (Facetime)“
Ich: „Bin im Unterricht“
Lisa: „Wofür brauchst du meinen Segen?“
Ich: Bild von Luna
Lisa: „Nein“
Lisa: „Das geht nicht!“
Lisa: „Das kannst du mir nicht antun!“
Lisa: „Niemals!“
Lisa: „Nein!“
Lisa: „Nein!“
Lisa: „Nein!“
Lisa: „Nein!“

Nun hat sich die Regierung daheim argumentativ überzeugen lassen. Der Flug bei einem Tochterunternehmen, von Europas größtem Luftfahrtkonzern, war schon längst gebucht und schnell um den Hund erweitert, wichtig zu erwähnen wäre noch, dass ein Platz mit größerer Beinfreiheit gebucht werden sollte – kein Muss, aber absolut empfehlenswert!

Lisa hatte jetzt natürlich die Rennerei in sämtlichen Geschäften, eine passende Hundebox zu finden. Denkt man ja, dass das kein Problem darstellen sollte. Denkste. Die Box muss nämlich folgenden Vorgaben entsprechen:

• „Die Tiere müssen in einer wasserdichten, bissfesten, verschlossenen, aber luftdurchlässigen Tasche (kein Hartschalenbehälter) untergebracht werden.

• Die Tasche darf die Höchstmaße von 40 x 40 x 25,5 cm nicht überschreiten.

• Das Tier inklusive Tasche darf maximal 8 kg wiegen.

• Das Tier muss aufrecht in der Tasche stehen können.

• Das Tier muss die Möglichkeit haben, sich zu drehen und sich in eine natürliche Position zu legen.

Bitte beachten Sie, dass wir leider die Tierbeförderung verweigern müssen, wenn die Tasche den Anforderungen nicht entspricht.“

Beim Lesen dieser Vorgaben fällt auf, dass bei den Breiten, Längen und Höhenangeben, die Zuordnung fehlt. Der Hund soll aufrecht stehen können – bei 25,5 cm Höhe? Darf aber 8 kg wiegen? Was ist das? Ein fetter Chihuahua? Soll sich in eine natürliche Position legen können bei 40 x 40 cm Grundfläche – OK. Was aber bei 40 x 25,5 cm Grundfläche?

Fragen über Fragen. Dafür aber gibt es ja die Hotlines. Also angerufen, und gefragt, wie denn diese Maßangaben zu verstehen sind. Die äußerst hilfsbereite und freundliche junge Frau hat mir erklärt, dass die Maßangeben von 40 x 40 x 25 cm in Höhe, Länge und Breite zu verstehen ist, da die Box zwischen die Füße des Sitzes, nicht des Passagiers kommt, der Hund also mit dem Hintern in Richtung Außenwand unter dem Sitz liegt. Auf meine Nachfrage hin, dass ich mir niemals vorstellen könnte, dass unter einem Flugzeugsitz, unter dem noch die Schwimmweste hängt, noch 40 cm Platz sein soll, um eine Hundebox unterzubringen; auch wie man auf den Hund im Fall der Fälle beruhigend einwirken können soll, wenn der Hund unterm Sitz ist, konnte sie mir leider nicht beantworten.

Das Telefonat hat mir leider nicht die Antworten gebracht, die ich mir erhofft hatte. Ja, sogar ein wenig frustriert war ich. Denn in den großen Tierhandlungen gab es viele Boxen, mit vielen unterschiedlichen Maßen, entweder der Hund passte nicht rein, oder die Maße wurden um Längen überschritten.
Hab mir also gedacht, rufste einfach nochmal an, dann weiß es vielleicht ein anderer. Also nochmal gewählt, diesmal ein junger Mann, der sich sehr bemüht hat, mir die Antworten zu liefern, die ich wollte. Er klärte mich auf, dass es nicht Höhe, Länge und Breite sei, sondern Länge x Breite x Höhe. Gut, scheint logisch, aber was ist dann mit diesem „aufrecht stehen in der Box“? Ich meine, Luna kann aufrecht stehen, muss aber den Kopf unten halten. Das sei nicht schlimm, solange der Hund sich drehen und natürlich hinlegen kann, macht das nichts. Ebenso, gibt es bei den Maßangaben intern eine Toleranz von +5 cm. Auf die Frage, ab wann der Hund in die Box müsse, konnte er mir leider nicht antworten. Generell wäre es besser, wenn ich vorher die Box dem Bodenpersonal vorzeigen würde, denn die wären die, die das letzte Wort hätten.

Bodenpersonal würde ich ja gerne fragen, in Hamburg war der Flughafen nur eine halbe Stunde entfernt, aber Lisa müsste, weil sie ja die Box kaufen würde, dann über 80 km nach Stuttgart fahren. Denn nur weil sie in Hamburg ja sagen, heisst das noch lange nicht, dass es in Stuttgart ebenso ist.
So langsam hat mich diese ganze Sache gewurmt. So richtig. In einem Land, dass sonst jeden Schei** reguliert und normt, gibt es keine verbindliche Aussage, wie ich mein Haustier national per Flugzeug transportieren soll – nicht einmal konzernintern. Bei baugleich angeordneten Sitzen, gibt es Unterschiede!

Beim Mutterkonzern heisst es dazu:

„Ein Hund oder eine Katze darf in einer selbst mitgeführten Box (Maximalmaße: 55 x 40 x 23 cm, wasserundurchlässig, bissfest) in der Kabine transportiert werden (max. Gewicht Tier + Box: acht Kilogramm). In der Kabine dürfen ausschließlich Hunde und Katzen transportiert werden, die Mitnahme anderer Tiere ist nicht möglich.“.

Auch das Internet war nur teilweise eine Hilfe, viele widersprüchliche Aussagen und auch sehr oft veraltete Posts. Ich habe mich also ein drittes Mal dazu entschlossen anzurufen. Ich wollte wissen, ab wann der Hund tatsächlich in die Box muss, und wie es bei Verspätungen aussieht, denn das Fassungsvermögen einer Blase ist endlich, selbst bei so einer Panzerblase wie Luna. Diesmal hatte ich eine ältere Frau dran, die mich sogleich auf den Abreiseflughafen verwiesen hat, denn „jeder Flughafen hat unterschiedliche Bestimmungen“. Aha, okay. Also Stuttgart rausgesucht, und direkt am Flughafenservice angerufen.

Die Fragen gestellt – Antwort war: „Wenn die Airline sagt, der Hund muss nach dem Security-Check-In in der Box bleiben, dann ist das so“ – „Nein ich frage gerade, wie die Flughafenbestimmungen bei Ihnen sind!??!“ – „Wenn die Airline sagt, der Hund muss nach dem Security-Check-In in der Box bleiben, dann ist das so“ – „?!?!?!?! Was? Nein – könnten Sie mir bitte sagen, ab wann der Hund wirklich in die Box muss?“. Um das Ganze abzukürzen, das ging so gute sechs bis sieben Mal hin und her, bis mich die gute Frau mitten im Satz einfach mal zur Bundespolizei verbunden hat.

Und hier muss ich einfach mal Danke sagen! Danke, an den netten Polizisten, der ganz klar sagte, dass der Hund nur mit durch den Security-Check-In müsste, und weiterhin bis zum Boarding an der Leine laufen dürfte. Und bei Verspätungen gibt es die Möglichkeit sich einfach zu melden um dann, wenn Personal vorhanden ist, mit dem Hund kurz fürs Geschäft raus zu gehen.
Nach drei Anrufen, vier unterschiedlichen Aussagen – sehr nette Mitarbeiter / Polizisten – hatte ich ein grobes Bild. Das musste reichen. Jetzt musste Lisa die passende Box finden, eine in der Luna sich auch wohl fühlt und die Vorgaben erfüllt. Es war echt nicht leicht. Luna hat das aber ganz brav über sich ergehen lassen – Box ausgesucht, Hund rein, Probe liegen, Hund raus, Box weg – nächste. Gemeinsam mit meinem Schwager sind sie sieben verschiedene Geschäfte abgefahren um eine Box zu finden! Eine!

Diese Odyssee könnte man sich ersparen, wenn man es wie andere Airlines machen würde: vermieten! Es werden Kabinenboxen zur Miete angeboten, die dann auch 100% passen und die man vorher auch ausprobieren kann. Wunderbar, aber leider nicht bei uns.

Nun genug gejammert! Schließlich ist mir das ja auch nur zwei Wochen vor Abflug eingefallen! Und jetzt als die ganze Sache am rollen war, haben wir uns mal ein paar Trainings-/Eingewöhnungstipps durchgelesen. Ja, es ist wirklich spät gewesen – nein, ich habe das Wohl meines Hundes nicht hinten runter fallen lassen. In einigen Ratgebern wird eine Eingewöhnungszeit von bis zu vier Monaten gesprochen. Als ich dann das gelesen habe, als die Zeitspanne der Eingewöhnung, kamen auch die Gewissensbisse auf. Überfordere ich meinen Hund? Setze ich sie eventuell zu viel Stress aus? Ich habe mir schon einen Plan B zurechtgelegt, für denn Fall, dass sie die Box verweigert. Auf keinen Fall werde ich meinen Hund da reinzwängen und auf Teufel komm raus nach Hamburg bringen!

Was soll ich sagen… wir LIEBEN unseren Hund.

1. Luna ist ein Höhlenhund – schön eng und dunkel – perfekt!
2. Luna lernt extrem schnell (ist ja auch ein Jacky :-D)!
3. Luna nimmt meist beim Schlafen die Position „Hundedonut“ ein.
4. Luna ist extrem anpassungsfähig.
Schon nach zwei Tagen, hat die Box sämtliche Kissen und Körbe bei Luna ersetzt. \<3
Sie hat sich da einfach freiwillig eingekringelt und das wars dann. Dann ging es nur noch darum die Dauer, der „Schließung“ nach und nach über knapp 10 Tage zu erhöhen. Ach… fast habe ich vergessen zu erwähnen, dass bei jedem Anruf zwar auf eine Toleranz bei den Maßen der Box vorhanden sei, jedoch nicht bei dem Gewicht. Box und Hund dürften auf keinen Fall 8 kg überschreiten.

Doof nur, dass Luna mit Box 8,4 kg wog. Wir haben uns den Kopf zerbrochen, wie wir das lösen könnten. Hund 400g runterhungern? Klar *Ironie*! Aber nicht in 10 Tagen, nicht bei 5,5 kg Kampfgewicht. Bei der Lösung mussten wir ein wenig Phantasie beweisen 🙂 . Die Box hatte eine ausziehbare Halterung um sie, wie einen Urlaubskoffer, hinter sich her zu ziehen. Das war Luna aber von Anfang an nicht geheuer, und da noch ein weiterer Tragegriff vorhanden war, haben wir das komplette Gestänge einfach kurzerhand heraus geflext ;-D und den Plastikrest mit einem scharfen Wellenschnittmesser herausge…sägt 😀 .
Am Tag der Tage, ging es dann für uns das erste Mal zum Check-In. Normalerweise checke ich immer online ein. Bei der Mitnahme eines Tieres, ist das jedoch nicht möglich. Die Box muss ja begutachtet und das Komplettpaket muss gewogen werden. Bei uns – nichts. Die gute Frau hat uns herankommen sehen, hat den Hund aber nicht beachtet, oder gar die Box begutachtet. Mann was habe ich mir für ein Stress bezüglich des Gewichts gemacht! Wäre es mir egal gewesen, wären wir garantiert gewogen worden :-d .

Nun ja, nach dem Check-In sind wir direkt weiter zur Sicherheitskontrolle. Luna wurde nicht mal beachtet, obwohl die Leine sehr wohl durchleuchtet wurde, während sie warten und ich durch den Metalldetektor musste. Erst dann durfte sie durch den Detektor. Vorher hatte sich schon eine Schlange gebildet – 5,5 kg Kampfrussell haben aber durch einen „strengen“ Blick niemanden vorbeigelassen *lach*.

Der Flug selber war sehr unaufregend. Im Flugzeug durfte sie nur in der Box sein, die halb zwischen meinen Beinen, halb unter den Sitzen stand. Hier ist ein Sitzplatz mit mehr Beinfreiheit durchaus von Vorteil! Mit „Oooooch“-Blicken und Hauchern wurden wir freundlich vom Kabinenpersonal begrüsst und nochmals eingewiesen. Der Start und der Flug verbrachte Luna in ihrer Lieblingsposition – den Hundedonut. Nur beim Landeanflug, und beim aufsetzen auf der Landebahn wurde sie durch das Geschaukel kurz unruhig, hat sich aber schnell beruhigen lassen. Bei jedem Geräusch, dass die Flügel, durch die Hydraulik, abgaben, hat sie immer ihren Kopf von links nach rechts und umgekehrt verdreht 😀 . Dass die am nächsten Tag keinen „Nacken“ hatte, wundert mich heute noch :-d .
Nun sind wir durch diese Aktion eine Erfahrung reicher und auch wenn alles schlussendlich geklappt hat, der Hund keinen Schaden davon getragen und jetzt sogar eine neue Lieblingsbox hat – plant, wenn möglich ein wenig mehr Zeit ein. Gerade um sich zu erkundigen, welche Vorgaben denn die Airline macht, mit der ihr verreisen wollt. Und vor allem Zeit um euren Hund an die Box zu gewöhnen. Bei uns hat das schlussendlich nur deshalb so großartig geklappt, weil Lisa täglich 3-4 mal mit Luna geübt hat, dass die Box auch zu ist, und auch bei Meckerei zubleibt, aber es dafür auch noch eine fettere Belohnung gibt – den Ball *Heiligenschein+Engelsgesang*…. durch Spiel hat Lisa es hervorragend geschafft, die Box mit soviel positiven Resonanzen zu verknüpfen, dass Luna echt alles andere liegen lässt.

Den größten Anteil hatte natürlich aber Luna. Jeder weiß (hoffentlich) selbst, wieviel eurem Hund zumuten ist oder auch nicht. Das solltet ihr auch bitte genau einschätzen. Denn anders als Bus fahren, kann ich das Fliegen nicht so viel vorüben und schmeiße Hund und Hundeführer doch ein wenig ins kalte Wasser.
Ich wünsche euch viel Erfolg bei euren Reisen!

Liebe Grüße
Jérôme

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